“Trotz der Gefahr”: Interviewfilm über das Leben von Alfred Tokayer

Irene Currie erzählt die Geschichte ihres Vaters, die Geschichte des Komponisten, Dirigenten, Pianisten und Arrangeurs Alfred Tokayer, der 1943 Opfer des Holocausts wurde. Die Erinnerungen seiner Tochter und das Erklingen seiner Kompositionen hauchen Alfred Tokayer mehr als 80 Jahre nach seiner Ermordung wieder Leben ein.

Irene Currie (geb. 1927 in Schwerin) lebt in ihren ersten Lebensjahren mit ihrem Vater, dem Komponisten Alfred Tokayer und ihrer Mutter, der Opernsängerin Margarete Monzel (alias Lucie Rena), zwischen Berlin und Köthen. Köthen ist die Heimatstadt von Alfred Tokayer. Die Großeltern betreiben dort ein Schuhgeschäft.

Als Alfred Tokayer 1933 vor den Nazis ins Exil nach Paris flieht, bleiben Mutter und Tochter zurück in Deutschland. Irenes Mutter will hier als Sängerin Karriere machen. Die Scheidung der sogenannten „Mischehe“ zwischen einem Juden und einer „Arierin“ erscheint Irenes Eltern als unvermeidlich.

Nach zähem Scheidungskampf über Ländergrenzen hinweg, lässt Irenes Mutter ihre Tochter schließlich nach Paris zu ihrem Vater, denn die Verleumdung ihres jüdischen Kindes und ihr unstetes Leben als Künstlerin sind für Irene zur untragbaren Belastung geworden. Irene lebt ab 1937 mit ihrem Vater in Paris und Limoges, ohne festen Wohnsitz, staatenlos, oft in Lebensgefahr und in Mangel am Nötigsten.

Als Jugendliche erlebt sie ihren Vater als enthusiastischen Musiker, der an keinem Klavier vorbeigehen kann, ohne es zu spielen. Als humorvollen, erzählbegabten, umtriebigen, fantasievollen, mit Haut und Haar der Musik und seinem Kind verschriebenen Menschen, der trotz der widrigen Umstände nie verbittert, immer mit der Vision, dass alles gut wird – bis zuletzt.

Die Aufnahmen zum Film fanden im November 2024 in Narbonne im Süden Frankreichs statt. Die Premiere des Films mit anschließenem Filmgespräch findet statt am 31. August 2026 im Rahmen der Köthener Bachfesttage.

Der Film wird in der zweiten Jahreshälfte 2026 online veröffentlicht.

„Er hatte die Grundlage aus Köthen, fast alles zu machen, was er wollte im Leben. Die Tatsache, dass er diese schweren Zeiten ertragen hat, ohne bitter und feindlich zu werden, schreibe ich der Zeit zu. Die Stadt hat seinem Gemüt oder sein Gemüt der Stadt entsprochen, das war die ideale Symbiose.“

Irene Currie über ihren Vater, den Komponisten Alfred Tokayer

Team:

Idee & Interview: Dr. Helen Hahmann

Dramaturgie & Schnitt: Robert Dobe

Kamera, Ton & Postproduktion: Felix Abraham

Tonmischung: Tilman Köhler

Gefördert vom Land Sachsen Anhalt und der Netzwerkstelle Musikland Sachsen-Anhalt.

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